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Thomas Harris

 

 

Thomas Harris, 1940 in Jackson, Tennessee, geboren, wuchs auf in Rich, Mississippi - ein staubiges Südstaaten-Kaff ohne Ampeln, etwa eine Autostunde südlich von Memphis gelegen. Die Mutter unterrichtet Biologie, der Vater versucht sich nach dem Krieg als Farmer. Seine Bemühungen sind nicht sonderlich erfolgreich, und Thomas jr. wächst in bescheidenen Verhältnissen auf.

Die Regeln sind streng in Rich, Mississippi, für Jungen wie für Mädchen. Wer sich nicht anpasst, kommt schnell in den zweifelhaften Ruf, seltsam zu sein. Tom jr. gilt als einer dieser merkwürdigen Vögel: Er ist unsportlich, geht nicht gerne Jagen oder Fischen. Tom ist ein Einzelgänger, hat wenig Freunde, und verbringt viel Zeit zu Hause mit seinen Büchern. Die Regeln sind streng in Rich, Mississippi, und sie können einen umbringen. Oder zum Mörder werden lassen. Oder zu einem Schriftsteller, der Mordtaten phantasiert...

In späteren Teenagerjahren kann sich Harris dem Druck endlich entziehen. Er verlässt Rich, geht erst aufs College, dann an die Taylor University in Waco, Texas, wo er sich für Englisch immatrikuliert. Während des Studiums verdient er sich ein paar Dollar als Reporter der Waco Tribune Herald und verfasst makabere Geschichten, die er an Magazine verkauft. Harris heiratet eine Studienliebe, hat ein Kind, doch kehrt er seiner Familie schnell den Rücken: Er reist eine Weile durch Europa und heuerte 1968 bei der Associated Press in New York an, wo er als Reporter u.a. über diverse Kriminalfälle berichtete.

Mit zwei Reporter-Kollegen entwickelt Harris die Idee zu einem Roman: über einen Jungen aus den Südstaaten, den die starren Regeln (und der Vietnamkrieg) gebrochen haben. In seinem Hass vereinigt sich der Mann mit arabischen Terroristen und plant einen verheerenden Anschlag auf den legendären Superbowl. Ein Luftschiff dient der Terroristen als Tatwaffe - die Vorstellung war bei einigen Politikern so furchteinflößend, dass tatsächlich über vielen US-Sportarenen ein Flugverbot verhängt wurde.

Die Entwicklung der Story war Teamarbeit, geschrieben hat das Buch aber Thomas Harris, der zu dem Zwecke seinen Job in der Agentur aufgab und für ein letztes Mal nach Mississippi zurückkehrte. »Black Sunday« erscheint 1975. Die Kritiken sind gewiss nicht überwältigend, aber das Buch entwickelt sich dennoch zu einem Verkaufserfolg. Auch die Verfilmung von John Frankenheimer (1977) fand ein breites Publikum und trug zu Harris' Popularität bei.

Harris recherchiert minutiös, und es dauert sechs ganze Jahre, bis 1981 sein zweiter Roman »Red Dragon« erscheint. Das Buch erzählt von dem FBI-Agenten Will Graham, der die blutige Spur eines Serienmörders verfolgt. Um den Mann zu identifizieren, benötigt er die Hilfe des Psychiaters Dr. Hannibal Lecters - eines anderen Serienkillers, den Agent Graham ein paar Jahre zuvor verhaftet hatte. Lecter willigt ein und initiiert ein perfides Spiel, in dem es ihm gelingt, sowohl den Polizisten als auch den gesuchten Täter zu manipulieren. Autor Harris führt den Leser in die Abgründe gleich zweier Serienmörder, zeigt die Nähe zwischen brilliantem Geist und blutrünstigem Wahnsinn, und bringt den Leser in die unbequeme Lage, zumindest zeitweilig mit den Bestien zu sympathitisieren.

Weltruhm erlangt Harris' schließlich mit seinem dritten Roman »The Silence of the Lambs« (1988). Der Thriller folgt im Wesentlichen dem gleichen Plot wie »Red Dragon«, denn auch hier hilft Hannibal Lecter bei der Identifizierung eines anderen Serienmörders. Das Drama wird allerdings über die Figuren hoch verdichtet: Lecter füttert die junge FBI-Agentin Clarice Starling nur dann mit Informationen, wenn sie ihm im Gegenzug selbst welche liefert - über sich selbst. Starling muss sich im Hochsicherheitstrakt vor Lecter, dem psychopathischen Psychiater, geistig entblättern, um einen blutrünstigen Frauenmörder zu stellen, der draußen sein Unwesen treibt.

»The Silence of the Lambs« wird ein internationaler Bestseller, unanfechtbar ein Meilenstein in der Geschichte der Spannungsliteratur. Der globale Hannibal-Lecter-Boom jedocht setzt erst drei Jahre später mit der Verfilmung von Jonathan Demme ein. Der Streifen entwickelt sich zum absoluten Megaseller, rettet die Produktionsfirma Orion vor dem drohenden Bankrott und räumt als erst dritter Film der Geschichte die "big 5" der Academy Awards ab - die fünf wichtigsten Oscars. Antony Hopkins verleiht Hannibal Lecter sein einprägsames Gesicht, und sorgt mit seiner schauspielerischen Leistung dafür, dass die Figur zur wohl bekanntesten Nebenfigur der neueren Literatur- und Filmgeschichte avanciert.

Die Fans (und nicht minder die Verlage und Filmfirmen) schreien nach einer weiteren Lecter-Story, und Autor Harris gibt dem Drängen nach elf langen Jahren nach: 1999 erscheint der dritte Lecter-Roman »Hannibal«, der ebenfalls mit Anthony Hopkins verfilmt wird. Im Jahr darauf sieht sich der alternde Schauspielstar mit einer schwierigen Situation konfrontiert: Für eine Neuverfilmung des ersten Lecter-Romans »Red Dragon«, der schon 1986 mit leidlichem Erfolg unter dem Titel »Manhunter« in den Kinos lief, muss Hopkins knapp zwanzig Jahre jünger erscheinen als er tatsächlich ist. Hollywood macht's möglich.

Bereits avisiert ist eine weitere Hannibal-Lecter-Produktion, in der Anthony Hopkins mit Sicherheit nicht noch einmal auftreten wird: Unter dem Arbeitstitel »The Lecter Variations. The Story of Young Hannibal Lecter« (eine Anspielung auf Bachs Goldberg Variationen, der Lieblingsmusik Dr. Lecters) arbeitet Thomas Harris an einem Stoff, der Lecter durch seine Kindheits- und Jugendtage in Litauen und Paris bis zu seiner Ankunft in Amerika folgt. Produzent Dino De Laurentiis sucht vier Schauspieler, die in Lecters Rolle schlüpfen - im Alter von 12, 16, 20 und 25 Jahren. Selbst die besten Maskenbildner Hollywoods dürften an der Aufgabe scheitern, Anthony Hopkins so jung erscheinen zu lassen.

Thomas Harris lebt in Miami Beach, Florida, und in Sag Harbor, New York, wo er die Sommermonate verbringt.

 

Bibliographie:
Black Sunday
[New York: Putnam, 1975]
[London: Hodder & Stoughton, 1975]
1975 Schwarzer Sonntag
[München: Heyne, 1989]
[Reinbek: Rowohlt, 1975]
Red Dragon
[New York: Putnam, 1981]
[London: Bodley Head, 1982]
1981 Roter Drache
[München: Heyne, 1988]
The Silence of the Lambs
[New York: St. Martin's Press, 1988]
[London: Heinemann, 1988]
1988 Das Schweigen der Lämmer
[München: Heyne, 1990]
Hannibal
[New York: Delacorte Press, 1999]
[London: Heinemann, 1999]
1999 Hannibal
[München: Heyne, 2001]
[Hamburg: Hoffmann und Campe, 1999]
Hannibal Rising
[New York: Delacorte Press, 2006]
[London: Heinemann, 2006]
2006 Hannibal Rising
[München: Heyne, 2008]
[Hamburg: Hoffmann und Campe, 2006]

 

Filmographie:
Black Sunday
Regie: John Frankenheimer
Drehbuch: Ernest Lehman
Mit Robert Shaw, Bruce Dern, Marthe Keller, Bekim Fehmiu u.a.
1977 Schwarzer Sonntag
Manhunter
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Michael Mann
Mit William L. Petersen, Kim Greist, Joan Allen, Brian Cox u.a.
1986 Roter Drache
(in Österreich u.d. T. »Blutmond«)
basiert eher lose auf dem Roman »Roter Drache«
The Silence of the Lambs
Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Ted Tally
Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Anthony Heald u.a.
1991 Das Schweigen der Lämmer
Hannibal
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: David Mamet
Mit Anthony Hopkins, Julianne Moore, Giancarlo Giannini, Gary Oldman u.a.
2001 Hannibal
Red Dragon
Regie: Brett Ratner
Drehbuch: Ted Tally
Mit Anthony Hopkins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson u.a.
2002 Roter Drache
Hannibal Rising
Regie: Peter Webber
Drehbuch: Thomas Harris
Mit Gaspard Ulliel, Li Gong, Helena Lia Tachovska u.a.
2007 Hannibal Rising

 

Thomas Harris gibt prinzipiell keine Interviews und hat auch keine Homepage. Unter www.thomasharris.com hat ihm der US-Verlag Randomhouse eine kleine Seite eingerichtet, auf der man allerdings auch nichts erfährt. Viel mehr zu Thomas Harris und besonders zu Dr. Hannibal Lecter, zu den Romanen und den Verfilmungen, erfährt man in der »Hannibal Lecter Library« unter www.pentaone.com/hannibal/index.shtml.

 

© j.c.schmidt, 2004 - 2006

 

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