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Gregory Mcdonald

 

Fletch

Gregory Mcdonald, zweimal mit dem Edgar-Award ausgezeichneter amerikanischer Krimiautor, erlag am 7. September 2008 im Alter von 71 Jahren einem Krebsleiden. Mcdonald wurde vor allem durch seine Krimi-Serie um den Reporter Irwin Maurice Fletcher bekannt, deren neun Bände zwischen 1974 und 1985 erschienen sind. Fletch avanciert zu dem Krimiheld der Gegenkultur der Siebziger und frühen Achtziger Jahre. Zwei der Fletch-Romane wurden verfilmt, jeweils mit Hippie-Ikone Chevy Chase in der Titelrolle, wobei die zweite Verfilmung "Fletch lives" (1989) nur auf der Figur, nicht aber auf einer Buchvorlage Mcdonalds basiert.

Gregory Christopher Mcdonald wurde am 5. Februar 1937 in Shrewsbury, Massachusetts, als Sohn eines Bostoner Radio-Reporters geboren. Er studiert in Harvard. Der begeisterte Segler verdient sich seine Studiengebühren selbst, indem er als Yacht-Kapitän for hire den Neuengland-Geldadel durch die Weltmeere schippert. Er arbeitet für eine Versicherungsgesellschaft, engagiert sich als Freiwilliger in den Peace Corps in Puerto Rico und unterrichtet an einer Highschool. 1964 veröffentlicht Mcdonald seinen ersten Roman »Running Scared«. Das Buch erzählt von einem College-Schüler, der kaltherzig und tatenlos zuschaut, wie sein Zimmergenosse immer tiefer abstürzt und schließlich Selbstmord begeht.

1966 heuert Mcdonald bei der Zeitung The Boston Globe an. In den folgenden sieben Jahren schreibt er Kolumnen und Features über kulturelle und künstlerische Themen und lernt durch seinen Beruf von Joan Baez bis John Wayne, Andy Warhol bis Jack Kerouac die großen Pop- und Kunstikonen jener Jahre kennen. In seinen Artikeln positioniert sich Mcdonald gegen den Krieg in Vietnam und kämpft beherzt für die Bürgerrechte - ein politisches Engagement, für das er später mit mehreren Auszeichnungen geehrt wird.

Confess, Fletch

Auch wenn nach seinem Roman-Debüt zehn Jahre lang kein weiteres Buch aus seiner Feder erscheint, hat Mcdonald der Belletristik nicht abgeschworen. Im Gegenteil - Mcdonald geht volles Risiko und schmeißt seinen Zeitungsjob: "Am 20. April 1973 setzte ich mich hin und schrieb meine Kündigung. Ich hatte für die Morgens-, die Abends und die Sonntagsausgaben [des Globe, Anm. des Verf.] gearbeitet, und es war unmöglich, Belletristik zu schreiben. Ich hatte 14.000 Dollar auf meinem Konto und kein weiteres Kapital. Ich habe von heute auf morgen aufgehört.".(1)

Viel riskiert - viel gewonnen. Im folgenden Jahr erscheint Mcdonalds erster Krimi "Fletch", der mit dem renommierten Edgar-Allan-Poe-Award als bestes Debüt des Jahres 1974 ausgezeichnet wird. Mit viel Witz und rasiermesserscharfen Dialogen erzählt Mcdonald von dem Reporter Irwin Fletcher, der in der Drogenszene Südkaliforniens recherchiert. Dabei trifft Fletch auf einen tödlich erkrankten Mann, der den Zeitungsmann bittet, ihn zu töten - für einen Gage von 3 Millionen Dollar.

Ursprünglich nicht als Serie gedacht, bleibt Mcdonald wegen des großen Erfolges seiner Figur treu und widmet ihr acht weitere Romane. Auch das zweite Buch "Confess, Fletch" wird mit dem Edgar-Allan-Poe-Award ausgezeichnet, diesmal in der Kategorie Best Paperback Original. Mcdonalds Fletch-Bücher bestehen weitenteils aus Dialogen. Kritiker vergleichen die Lektüre mit der von Drehbüchern. Mcdonald selbst beschreibt seinen Stil indes als "post-cinematisch": Das Publikum sei durch das Kino derart vielen Bildern ausgesetzt, dass ein Schriftsteller auf ausführliche beschreibende Passagen verzichten könne, um die Story am Laufen zu halten.

Fletch

Eine Eigenart der Serie besteht darin, dass die Romane nicht chronologisch ablaufen. Die zuletzt erschienenen "Fletch Won" und "Fletch Too" etwa - lautmalerischer Scherz am Rande - spielen in der erzählten Zeit vor dem ersten Fletch-Auftritt des Jahres 1974. Auch verordnet Autor Mcdonald seiner Figur diverse Ortswechsel: Der Leser lernt Fletch in Los Angeles kennen, springt später zurück in seine Bostoner Vergangenheit, folgt ihm auf Abenteuer in den Süden der USA, nach Europa, Brasilien und nach Kenia.

Mcdonald schreibt noch eine vierbändige Reihe um den Bostoner Polizisten und Musik-Liebhaber Francis Xavier Flynn, der seinen ersten Auftritt in dem Fletch-Roman »Confess, Fletch« hatte. Zwei weitere Romane sind einem entflohenen Sträfling gewidmet, der vorgibt, Fletchs unehelicher Sohn zu sein. Insgesamt verfasst Gregory Mcdonald 26 Romane, die sich millionenfach verkaufen und in gut einem Dutzend Sprachen übersetzt werden. Vier seiner Bücher wurden bisher Vorlagen erfolgreicher Hollywood-Filme, derzeit wird mit "Fletch Won" ein fünfter Film nach Mcdonald-Vorlage gedreht, der 2009 in die US-Kinos kommen soll - ein knappes Vierteljahrhunder nach der Roman-Veröffentlichung.

1986 zog Mcdonald nach Pulaski ins ländliche Tennessee, wo er sich ein alte Rinderfarm kaufte. Er engagierte sich in der lokalen Politik und war Mitbegründer von Giles County United. Die Organisation opponiert gegen den Ku Klux Klan, der sich an eben jenem Ort gegründet hatte.

Gregory Mcdonald war zweimal verheiratet. Er hinterlässt zwei Söhne und mehrere Enkelkinder.

 

Fletch-Reihe:
Fletch
[Indianapolis: Bobbs-Merrill, 1974]
[London: Gollancz, 1976]
1974 Fletch
[Reinbek: Wunderlich, 1998]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1984]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1977 unter dem Titel »Opfer sucht passenden Mörder«]
Confess, Fletch
[New York: Avon Books, 1976]
[London: Gollancz, 1977]
1976 Gestehen Sie, Fletch!
[Reinbek: Wunderlich, 1998]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1984]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1978 unter dem Titel »Mörder sucht passenden Sündenbock«]
Fletch's Fortune
[New York: Avon Books, 1978]
[London: Gollancz, 1979]
1978 Fletch - Vermögen bringt Ärger
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1984]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1979 unter dem Titel »Vermögen bringt Ärger«]
Fletch Forever (2)
[New York: Doubleday, 1978]
1978
Fletch and the Widow Bradley
[New York: Warner Books, 1981]
[London: Gollancz, 1981]
1981 Fletch und die Witwe
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1984]
Fletch's Moxie
[New York: Warner Books, 1982]
[London: Gollancz, 1983]
1982 Fletch und Moxie
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1984]
Fletch and the Man Who
[New York: Warner Books, 1983]
[London: Gollancz, 1983]
1983 Fletch und der Präsidentschaftskandidat
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1985]
Carioca Fletch
[New York: Warner Books, 1984]
[London: Gollancz, 1984]
1984 Fletch in Brasilien
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1985]
Fletch Won
[New York: Warner Books, 1985]
[London: Gollancz, 1985]
1985 Fletch siegt
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1987]
Fletch, Too
[New York: Warner Books, 1986]
[London: Gollancz, 1987]
1985 Safari für Fletch
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1988]
The Fletch Chronicles (2)
[Boston: Hill & Co., 1987]
1987

 

Flynn-Reihe:
Flynn
[New York: Avon, 1977]
[London: Gollancz, 1978]
1977 Nur Sterben ist schöner
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1979]
The Buck Passes Flynn
[New York: Ballantine Books, 1981]
[London: Gollancz, 1982]
1981 Flynn und der Dollarsegen
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1984]
Flynn's In
[New York: Mysterious Press, 1984]
[London: Gollancz, 1985]
1984
Flynn's World
[New York: Pantheon Books, 2003]
2003

 

Son of Fletch:
Son of Fletch
[New York: Putnam, 1993]
[London: HarperCollins, 1994]
1993
Fletch Reflected
[New York: Putnam, 1994]
[London: Collins Crime, 1995]
1994

 

Skylar-Romane:
Skylar
[New York: William Morrow, 1995]
[London: HarperCollins, 1996]
1995
Skylar in Yankeeland
[New York: William Morrow, 1997]
[London: HarperCollins, 1997]
1997

 

Andere Kriminalromane:
Who Took Toby Rinaldi?
[New York: Putnam, 1980]
[London: Gollancz, 1980 unter dem Titel »Snatched«]
1980 Toby ist verschwunden
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1982]
Safekeeping
[New York: Penzler Books, 1985]
[London: Gollancz, 1986]
1985 Bombensicher
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1988]
Last laughs. The 1986 Mystery Writers of America Anthology (ed. by GM)
[New York: Mysterious Press, 1986]
1986
The Brave
[New York: Barricade Books, 1991]
1991 The Brave
[Wien: Songdog, 2013]

 

Mainstream-Romane:
Running Scared
[New York: I. Obolensky 1964]
[London: Gollancz, 1977]
1964
Love Among the Mashed Potatoes
[New York: Dutton, 1978]
1978
A World too Wide
[Boston: Hill & Co., 1987]
1987
Exits and Entrances
[Boston: Hill & Co., 1988]
1988
Merely Players
[Boston: Hill & Co., 1988]
1988

 

Non-Fiction:
The education of Gregory Mcdonald
Writings about America, 1966-1973
[New York: Warner Books, 1985]
[New York: Seven Stories Press, 2008 unter dem Titel »Souvenirs of a Blown World: Sketches from the Sixties«
1985

 

Anmerkungen:

(1) Zitiert nach David Mehegan: Gregory Mcdonald, author of 'Fletch' mystery novels. The Boston Globe, 10. September 2008. Online unter http://www.boston.com/news/local/breaking_news/2008/09/obituary_gregor.html.

(2) Ein Sammelband, der die drei ersten Fletch-Romane enthält. Der Band ist im Buch-Club erschienen, war also nicht frei verkäuflich.

(3) Ebenfalls ein Sammelband, enthält »Fletch«, »Carioca Fletch« und »Confess, Fletch«. In der erzählten Zeit ist »Carioca Fletch« tatsächlich die Fortsetzung zu »Fletch«.

 

Weitere Quellen und Links:

Die offizielle Homepage von Gregory Mcdonald unter http://www.gregorymcdonald.com.

Rudyard Kennedy: I.M "Fletch" Fletcher, unter http://www.thrillingdetective.com/eyes/fletch.html. Neben einem Porträt der Figur sortiert Verfasser Kennedy die Fletch-Romane ordentlich nach der erzählten Zeit.

 

© j.c.schmidt, 2008 - 2013

 

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