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Edmund Crispin

 

Edmund Crispin wurde 1921 als Robert Bruce Montgomery in Chesterham Bois, Buckinghamshire, England geboren. Bereits während des Studiums teilte Crispin sein Leben zwischen Musik und Literatur: Parallel zum Studium der Englischen Sprache und Literatur in Oxford machte Crispin eine Ausbildung als Kirchenmusiker. Er leitete den Universitätschor und hatte schon vor seinem Magister seinen ersten Kriminalroman veröffentlicht.

Nach einem kurzen Intermezzo als Lehrer konzentrierte Crispin sich auf seine Karriere als Pianist und Organist. Er schrieb Musik für Kirche und Film, aber auch sehr erfolgreiche Scripte für Radio und vor allem Kino, für das er in den späteren 50er Jahren fast ausschließlich arbeitete. In den Sechziger Jahren erlebte seine Karriere einen tiefen Knick: Crispin zog sich frustriert vom Londoner Film-Jetset zurück und ließ sich im provinziellen Devonshire nieder. Er versuchte sich als Herausgeber von Science Fiction-Anthologien und rezensierte für die Sunday Times Kriminalliteratur.

Mit einer Ausnahme erschienen Crispins Kriminalromane fast im exakten Jahresrhythmus zwischen 1944 und 1953. Die Romane liegen irgendwo zwischen John Dickson Carr und den Marx-Brothers. Die Hauptfigur all seiner Bücher ist der Oxford-Professor, Literaturkritiker und Amateurdetektiv Gervase Fen, für den gewiss Carrs Figur des Privatgelehrten Gideon Fell Pate stand. Fen ist um die Vierzig, verheiratet (seine Frau taucht allerdings nie auf) und braust zum Schrecken seiner Mitmenschen mit einem Sportwagen ("Lily Christine") durch die Grafschaft. Ihm zur Seite stehen der exzentrische emeritierte Professor Wilkes, der kaum noch hören kann, und Inspector Humbleby. Mit dem Polizisten teilt Fen nicht nur seine Liebe zu vertrackten Kriminalfällen, sondern auch zur Literatur.

Fens kompliziertester Fall ist gewiss »The Moving Toyshop« von 1946: In einem Spielzeugladen entdeckt der Lyriker Richard Cadogan die Leiche einer Frau. Bevor er Hilfe holen kann, wird er niedergeschlagen. Als er erwacht, ist die Tote verschwunden - aus dem Spielzeugladen ist unterdessen ein Lebensmittelgeschäft geworden. Natürlich will niemand dem Mann glauben - außer seinem Freund Gervase Fen, der die Geschichte des Dichters für viel zu verdreht hält, als dass sie allein seiner Fantasie entsprungen sein könne.

Vermutlich aus Finanznöten - er hatte Zeit seines Lebens sein Budget durch recht deftigen Alkoholkonsum arg strapaziert - wiederbelebte Crispin seine Hauptfigur nach mehr als einem Vierteljahrhundert Pause (»The Glimpses of the Moon«, 1977). Crispin starb am 15. September 1978. Nach seinem Tod erschien mit »Fen County« noch eine Anthologie mit Kriminalstories.

Übrigens: Alles, was Sie über die Crispin-Neuedition im Kölner DuMont-Verlag wissen müssen, finden Sie in dem Artikel Robert als Richard - Wie DuMont Edmund Crispin verstümmelt von Thomas Rothschild (Titel-Magazin).

 

Gervase Fen-Serie:
The Case of the Gilded Fly
[London: Gollancz, 1944]
[Philadelphia: J. B. Lippincott Co., 1946 unter dem Titel »Obsequies at Oxford«]
1944 Mord vor der Premiere
[Köln: DuMont, 1999]
[München: Heyne, 1976]
Holy Disorders
[London: Gollancz, 1945]
[Philadelphia: J. B. Lippincott Co., 1946]
1945 Heiliger Bimbam
[Köln: DuMont, 2001]
[München: Goldmann, 1982 unter dem Titel »Seht das Motiv und nicht die Tat«]
The Moving Toyshop
[London: Gollancz, 1946]
[Philadelphia: J. B. Lippincott Co., 1946]
1946 Der wandernde Spielzeugladen
[Köln: DuMont, 2003, Neuübersetzung von Eva Sobottka]
[München: Haffmans bei Heyne, 1993, Neuübersetzung von Andreas Vollstädt mit neuem Titel]
[München: Heyne, 1974 unter dem Titel »Mord im 1. Stock«]
Swan Song
[London: Gollancz, 1947]
[Philadelphia: J. B. Lippincott Co., 1947 unter dem Titel »Dead and Dumb«]
1947 Schwanengesang
[Köln: DuMont, 2003]
[München: Goldmann, 1983]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1959]
Love Lies Bleeding
[London: Gollancz, 1948]
[Philadelphia: J. B. Lippincott Co., 1948]
1948 Liebe stirb zuerst
[Köln: DuMont, 2004]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1960 unter dem Titel »Mit Geheimtinte«]
Buried for Pleasure
[London: Gollancz, 1948]
[Philadelphia: J. B. Lippincott Co., 1949]
1948 Mit Freuden begraben
[Köln: DuMont, 2004]
[München: Goldmann, 1984 unter dem Titel
Der Pfarrer und sein Poltergeist]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1962 unter dem Titel
Begräbnis am Donnerstag]
Frequent Hearses
[London: Gollancz, 1950]
[New York: Dodd, Mead, & Co., 1950 unter dem Titel »Sudden Vengeance«]
1950 ... vorm Tor der Leichenwagen
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1958]
The Long Divorce
[London: Gollancz, 1951]
[New York: Dodd, Mead, & Co., 1951]
1951 Giftbriefe
[München: Goldmann, 1983]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1961 unter dem Titel »Anonyme Briefe«]
Beware of the Trains.
Sixteen Stories
[London: Gollancz, 1953]
[New York: Walker & Co., 1962]
1953 Morde - Zug um Zug (*)
[München: Goldmann, 1981]
The Glimpses of the Moon
[London: Gollancz, 1977]
[New York: Walker & Co., 1978]
1977 Der Mond bricht durch die Wolken
[München: Goldmann, 1980]
Fen County.
Twenty-six Stories
[London: Gollancz, 1979]
[New York: Walker & Co., 1980]
1979

 

(*) Die Anthologie enthält entgegen der Ankündigung des Waschzettels (Zitat: "16mal wird gemordet ... Und 16mal begegnet der Leser dem berühmten Oxford-Professor und Privatdetektiv aus Leidenschaft Gervase Fen ...") nur 14 Gervase Fen-Erzählungen und 2 Non-Gervase Fens. (Danke schön an Roland Tauber für den Hinweis)

 

© j.c.schmidt, 2003

 

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