legal stuff Impressum Datenschutz kaliber .38 - krimis im internet

 

Thomas Wörtche
Neuerscheinungen
Vorschau
Krimi-Navigator
Hörbücher
Krimi-Auslese
Features
Preisträger
Autoren-Infos
Asservatenkammer
Forum
Registrieren
Links & Adressen

Google

Amazon.de

eBook.de

Genialokal.de

Buecher.de

Thalia.de

Weltbild.de

booklooker.de

Krimi-(Vor-)Auslese 11/2019
Der Fuchs Der Herbst zieht durchs Land, die Tage sind kurz, das Licht trüb, die Luft feucht und kalt. Es gibt doch kein besseres Ambiente für Polit- und Spionage-Thriller - und davon hat der November einiges zu bieten. Der Fuchs etwa von Fredrick Forsyth, der sich für seinen neuen Roman fünf Jahre Zeit ließ (Bertelsmann, aus dem Englischen von Rainer Schmidt). Ob sich das Warten gelohnt hat? Forsyth erzählt von einem Computer-Nerd, "ein 18-jähriger Junge mit einem glühenden Verstand", der die komplexesten Computer-Sicherheitssysteme der Welt hackt und Massenvernichtungswaffen nach Belieben manipulieren kann. Evident, dass sich ein schweißtreibender Wettlauf um den Jungen mit den besonderen Fähigkeiten, die nicht in falsche Hände geraten dürfen, entspinnt. Forsyth bekommt für den "Fuchs" artige Komplimente in der englischen Presse, aber ein verhaltenes Echo in den Lesermeinungen: Gerügt werden "oberflächliche Charaktere" und "vorhersehbar Wendungen", das Werk allenfalls "good for teenagers". Die Erwartungen also etwas runtergeschraubt, freuen wir uns auf ein sinnfreies November-Wochenende, an dem die dreihundert Seiten schnell runtergeschmökert sind.

 

Vorschau:
Vollzug können wir vermelden bei den noch ausstehenden Verlagen der Gruppe Random House: Jetzt online sind die Programme von Penguin, Goldmann, Heyne und des btb-Verlags. Besonders im Hause Goldmann fällt auf, dass die Anzahl der Krimi-Titel pro Monat kontinuierlich schrumpft. Obendrein sind mit Manhattan, Page & Turner und carl's books drei krimi-affine Imprints komplett verschwunden. Ist Krimilesen doch Zeitverschwendung?

 

Fundstück
Ich will mein Geld! Beim Wühlen nach alten Ausgaben sind wir auf diesen wunderbar lakonisch-eleganten Text gestoßen, der die Rückseite der 1970er Ullstein-Ausgabe des Kriminalromans Ich will mein Geld! von Donald E. Westlake ziert:
Man nehme zum Beispiel: einen anonymen Tip, 35 Dollar und setze sie auf »Purple Pecunia«. Dies ergibt mitunter 930 Dollar Gewinn. Mitunter aber auch eine Menge Ärger, besonders bei falscher Wahl des Buchmachers. Wichtig: ein toter Buchmacher war immer falsch!
Unangebracht beim Kassieren sind ebenfalls Dum-dum-Geschosse. Und völlig verfehlt wäre die Gewinneintreibung beim örtlichen Mafia-Boss. Dies endet in der Regel mit einem oder mehreren Toten.
Auch suche man seine Helfer sorgfältig aus: heißblütige junge Blondinen mit scharfen Pistolen erfordern eine harte Hand. Merke stets: lieber um Geld kommen als ums Leben. Man muß auch nachgeben können.
Chet Conway konnte es nicht.

 

Krimi-(Vor-)Auslese 10/2019
Ein Schuss ins Blaue Wie schön - Neues von Franz Dobler! Ein Schuss ins Blaue (Tropen) heisst der dritte Roman um den Ex-Polizisten Robert Fallner, der mittlerweile für die Security-Firma seines Bruders arbeitet. Mit seinem jüdischen Partner Landmann soll Fallner einen islamistischen Attentäter in München aufspüren, auf den ein Kopfgeld in Höhe von zwei Million Euro ausgesetzt ist. "Sie standen vor der Kirche und warteten auf nichts.", lautet der feine erste Satz, der gleich alle Sensoren aktiviert (nach einem nicht minder schönen Motto von Danny Dziuk). Dobler mit Chandler, Thompson und anderen Heroen der Kriminalliteratur zu vergleichen, kann man machen, bringt aber nicht so viel - das Besondere an Dobler ist, dass er schreibt wie Dobler - realitätstüchtige (München-) Romane mit profunder Kenntnis von Kultur und Subkultur und ganz eigenem Sound.

 

Vorschau:
Jetzt auch online sind die Herbst-Programme der Verlage Rowohlt und Fischer. Im literarischen Bereich prall gefüllt mit spannenden Titeln, im Krimisektor gibt's nicht sooo viel Interessantes zu entdecken. Außerdem online Lübbe, Bastei Lübbe und der Kampa Verlag.

 

Thomas Wörtches Leichenberg 09/2019
Kaltes Licht Garry Disher ist eine Art literarischer Feinmechaniker. Seine Plots, die aus dem Nichts zu kommen scheinen - hier aus einer Schlangengrube unter einer Betonplatte, was fast sprichwörtlich zu verstehen ist - verästeln sich, werden komplexer und komplexer, nehmen fast beiläufige, aber hocheffektiv Nebenstränge auf, verzweigen sich und fügen sich am Ende zu einer meist erstaunlichen, wenig prognostizierbaren Lösung. So auch in Kaltes Licht (Unionsverlag, dt. von Peter Torberg), ein Roman, der zudem einen neuen Protagonisten einführt: Senior Detective Sergeant Paul Auhl, der, obschon pensioniert, sich für eine Cold-Case-Unit in Melbourne reaktivieren lässt...
[weiter]

 

Vorschau:
Das Schweigen des Fjords Jetzt online sind die Programme der Verlage Droemer und Knaur, Oktober 2019 bis einschließlich März 2020. Dabei sind wir auf ein nettes, kleines Fundstück gestoßen, zu besichtigen hier. Merke: Traue niemals einem Impressum nicht... Das bar jeder Häme, denn, hüstel, erst jüngst ist uns beim Putzen und Aufräumen im Autoren-Verzeichnis aufgefallen, dass Tony Hillermans Roman nicht »Die Nacht des Skinwalkers«, sondern »Die Nacht der Skinwalkers« heisst - gerade mal 15 Jahre, nachdem wir die Daten eingestellt haben. Deutscher Genitiv und englischer Pural - Himmel, da kann man als weltgewandter Mensch auch ins Eiern kommen...

 

Krimi-(Vor-)Auslese 09/2019
Blank Space Der junge Mensch heute guckt lieber fluffige Youtube-Kanäle, als sich durch die verstaubte Literatur zu wühlen. Ein Versuch, die verlorenen Seelen zurück zum Buch zu führen, ist ein neues dtv-Imprint mit dem Namen "bold". "bold", so lesen wir auf der Webseite, "bietet ein junges, trendiges Buch-Programm, zwischen Unterhaltung und Literatur, von Autoren, die wie ihre Leser im Internet zu Hause sind" - also Autoren, die virtuos mit Hashtags jonglieren und auch im Darknet den Durchblick nicht verlieren. Der erste Krimi des Imprints stammt von Susanne Mischke und hat den schönen deutschen Titel Blank Space. Der Stoff - eine Amnesie-Geschichte um eine Frau, die mit einer Mordwaffe in der Hand gefunden wird - ist schon in vordigitalen Zeiten ungezählte Male durchgenudelt worden. Ob man wirklich mit alten Geschichten neue Leser gewinnen kann?
#Absatz

 

Vorschau:
Cussler, Deaver, Gerritsen, Patterson, ein bisschen Krawall von Berry und Rollins, und - "Traue keinem. Auch nicht dir selbst" - ein paar englische Psüchos, die aufs Herz des weiblichen Publikums zielen - genau, das Blanvalet Programm Frühjahr 2020 ist auf Sendung. Ehrlich? Sidney Sheldon? Liest den noch jemand - außerhalb von geriatrischen Pflegeeinrichtungen?

 

Der Rätselfreund
Hinter den folgenden (zugegeben: künstlerisch nicht sonderlich wertvollen) Fotos, verbirgt sich ein aktueller Krimi. Wer sich mit den Lokaysch'ns nicht so auskennt, bekommt noch folgende Hilfestellung: Es geht um Männer, die Äpfel essen, und einen abben Arm (wenn die etwas hölzerne kriminalliterarische Referenz ins Ruhrgebiet gestattet ist). Nun? - Ein toller Roman, aber als Thriller, wie auf dem Cover ausgewiesen, ein büschen lahm, und die Aufhängung ist etwas dünn...

? ? ? ?

 

Krimi-(Vor-)Auslese 08/2019
Der Tod betritt die Bühne Die Retrowelle rollt munter weiter: Georges Simenon in tödlicher Dosis (Kampa / Hoffmann und Campe / Atlantik), Conan Doyle (Fischer, immerhin frisch übersetzt), Colin Dexter (Unionsverlag), Giorgio Scerbanenco (Folio) und nun auch P. D. James (Atrium). Was literarisch sichtbar werden soll, bleibt unklar. Ins Auge springen die satten Preise - knapp zweihundert Seiten Scerbanenco für 18 Euro (okay, mit einem neuen Nachwort von Gianrico Carofiglio), und der Atrium Verlag ruft gleich 22 Euro auf für P. D. James' Roman Der Tod betritt die Bühne - der war in gleicher Übersetzung bereits 1984 unter dem Titel "Ende einer Karriere" erschienen. Ts, ts!

 

Thomas Wörtches Leichenberg 07/2019 (Juli und August)
Welch schöne Tiere wir sind Allerspätestens seit Lord Byron gehört Griechenland zu den Sehnsuchtsorten angelsächsischer Intellektuellen und Künstler. Ihre Beschäftigung mit der "klassischen Antike" hat zu ungezählten Mittelmeer-Narrativen geführt, die Gegend ist geistesgeschichtlich extrem aufgeladen. Die Insel Hydra, auf der Lawrence Osbornes Roman Welch schöne Tiere wir sind (Piper, dt. von Stephan Kleiner) spielt, wurde schon von Henry Miller gepriesen, Leonard Cohen lebte ein paar Jahre dort (in dessen ehemaligem Haus siedelt Osborne Teile der Handlung an) und überhaupt, glauben wir dem Roman, ist die Insel eine Art Zeitkapsel für reiche Ausländer, die sich in ihren Sommerhäusern auf Niveau langweilen. Aber das Mittelmeer ist nicht mehr das Mittelmeer idyllischer Projektionen, sondern eine Todesfalle für tausende Flüchtlinge....
[weiter]

 

Krimi-(Vor-)Auslese 07/2019
Das Dorf der toten Herzen Sommerzeit ist Urlaubszeit ist Reisezeit. Zur Auswahl stehen auch in diesem Monat rund eineinhalb Meter Bretagne-Portugal-Provence-Cornwall-Friesland-Krimis, die wohl nur erträglich sind, wenn die brennende Sonne große Areale des Hirns versengt hat. Einer der wenig ernst zu nehmenden (und gemeinten?) Texte vor urlaubstauglicher Kulisse stammt von Agustín Martínez, Das Dorf der toten Herzen (Fischer Tb). "Ein hitzeverbranntes Dorf mit zersetzenden Geheimnissen" irgendwo in der südspanischen Wüstengegend, so der Vorschautext, in dem, so der Verdacht, ein Mädchen im Teenageralter den Mord an ihren Eltern in Auftrag gegeben haben soll. "Staubig und unwirtlich" der Schauplatz, "spröde und verschlagen" seine Bewohner. Genehmigt!

 

Krimi-(Vor-)Auslese 06/2019
Cari Mora Über Frankreich gäbe es derzeit eine Menge Interessantes zu erzählen. Der deutsche Krimileser bekommt aber nur Ferienkrimis aus der Provence um die Ohren geschlagen. Einzige Relevanz der Texte, so scheint's, ist der Ort, an dem die Handlung spielt. Glückwunsch! Bleiben wir noch kurz beim Überflüssigen - Thomas Harris: Cari Mora (Heyne). "Die Lämmer schweigen", so der Verlagstext, "(a)ber man hört die Frauen schreien.". Krass! Wenn sie dem Monster in die Hände fallen, ist es zu spät: "Dann betteln sie um einen schnellen Tod, und er genießt den Schmerz in ihren Gesichtern.". Was soll das noch? Das ist doch schon seit langen Jahren durchdekliniert...

 

Thomas Wörtches Leichenberg 05/2019 (Mai und Juni)
KILL Eher unauffällig, versteckt gar und ohne sinnvolle editorische Ausstattung kommt die erstmals vollständige Ausgabe von Shane Stevens' kapitalem Roman By Reason of Insanity (von 1979!) unter dem eher sensationalistischen deutschen Titel KILL (dt. von Alfred Dunkel / Heiko Arntz, Heyne) daher. Ob dieser Roman Thomas Harris beeinflusst hat oder wen auch immer oder wen nicht, ist herzlich egal. Er ist auch sicher nicht "Die Mutter aller Serienkiller-Romane", wie die U4 trötet, und sein Verhältnis zu "True Crime" ist höchstens als ironisch zu verstehen. KILL ist vor allem und hauptsächlich ein brillanter Roman, komplex, vielschichtig, voller thrill und suspense, auf keine Message zu reduzieren, aber mit einer Menge Implikationen...
[weiter]

 

Für diese Seiten gilt Haftungsausschluss und Urheberrecht.
Für Inhalte auf von uns verlinkte Seiten übernehmen wir keine Verantwortung.

 

kaliber .38_mini.GIF
Jan Christian Schmidt
Solmsstr. 38 b, 10961 Berlin

 

© Jan Christian Schmidt und die jeweils genannten Autoren, 1996 - 2019

 

Thomas Wörtche Neuerscheinungen Vorschau Krimi-Navigator Hörbücher Krimi-Auslese
Features Preisträger Autoren-Infos Asservatenkammer Forum Registrieren Links & Adressen